Logo Logo
12.12.2017

Formen von Akzeleration

1. Frühe Einschulung
Kinder, die bis zum 30. Juni eines Jahres sechs werden, sind schulpflichtig. Diejenigen, die zwischen dem 1.7. und 31.12. eines Jahres sechs werden, können auf Antrag eingeschult werden, d.h. maximal ein halbes Jahr früher als üblich. Diese Stichtagsregelung hat sich in einigen Bundesländern in den letzten Jahren geändert oder ändert sich gerade, z.T. wird der übliche Stichtag auf den Herbst verschoben, z.T. ist der Stichtag, nach dem nicht mehr eingeschult werden darf, inzwischen aufgehoben. Wenn alle Beteiligten – neben dem Kind die Eltern und die Schule, u.U. auch der schulärztliche bzw. schulpsychologische Dienst – einverstanden sind, dürfen deutlich jüngere Kinder eingeschult werden. (s. Erlasse der Bundesländer)

2. Überspringen von Klassen

In der Grundschule, in der Sekundarstufe I und mit Einführung des 8-jährigen Gymnasiums die 10. Klasse der Sekundarstufe I kann übersprungen werden. Einzelne Klassen bzw. einzelne Zeitpunkte sind in einzelnen Bundesländern davon ausgeschlossen. Es ist auch möglich, mehr als eine Klasse auf einmal bzw. in Abständen wiederholt eine Klasse zu überspringen („Radikale Akzeleration").

3. Fachbezogene Akzeleration

Eine Schülerin / ein schüler nimmt in einem oder mehreren Fächern am Unterricht einer höheren Klasse im selben Fach teil.

4. Akzeleration in jahrgangsübergreifenden Klassen

Jahrgangsübergreifende Klassen lassen das schnellere Durchlaufen von Klassen reibungslos zu, z.B. an Montessori- und Jena-Plan-Schulen. In einigen Bundesländern sind inzwischen das 1. und 2. Schuljahr zusammengefasst, sie können in einem, zwei oder drei Jahren durchlaufen werden.

5. Akzeleration in Sonderklassen (mit Überspringen)

In der Sekundarstufe I wird eine Klasse zusammengestellt, in der in der Mittelstufe der Stoff so verkürzt behandelt wird, dass die Klasse ein Jahr eher in die Sekundarstufe II eintritt. Diese Klassen werden auch als D-Zug-Klassen oder als Schnellläuferklassen bezeichnet.

6. Akzeleration in Sonderklassen (ohne Überspringen)

Der vorgesehene Stoff wird innerhalb des Schuljahres verkürzt durchgenommen, um Zeit für individuell gewählte Themen zu gewinnen (Akzeleration + Enrichment).

7. Individuelle Stundenpläne

Für eine Schülerin / einen Schüler wird an einer Schule ein individueller Stundenplan zusammengestellt. Sie / er nimmt nicht an allen Stunden des eigenen Jahrgangs, sondern z.T. am Unterricht höherer Klassen teil, um in einigen Fächern einen früheren Abschluss zu erreichen.

8. Curriculum Compacting

Das Wissen zu einem Thema wird vor Beginn einer Unterrichtseinheit überprüft bzw. eine Schülerin / ein Schüler bekommt weniger Instruktionen, Drill und Wiederholungen; die gewonnene Zeit wird genutzt, um das Curriculum schneller zu bewältigen und zeit für anderes zu gewinnen.

9. Betreuung durch Mentorinnen und Mentoren

Eine Schülerin / ein Schüler arbeitet mit einer Mentorin oder einem Mentor zusammen; die helfen ihr / ihm, in einem Themenbereich auf ihrem Niveau ihrem Tempo entsprechend zu arbeiten.

10. Außerschulische Angebote
Eine Schülerin / ein Schüler nimmt neben der Schule oder in den Ferien an einem Kurs teil, der Informationen auf einem höheren Niveau anbietet (Pluskurse (Bayern); Schülerakademien (Bildung und Begabung)) und auch einen Abschluss bietet.

11. Fernunterricht bzw. Hausunterricht
Fernunterricht bzw. Hausunterricht als Ersatz für die Schulpflicht ist in der Bundesrepublik bisher nur in Ausnahmefällen möglich, z.B. für einige Sportler oder Künstler. Es ist möglich, Wissen in Fächern oder Fremdsprachen, die an der Schule nicht unterrichtet werden, durch Fernunterricht zu erwerben. Eltern mit einem ausländischen Pass können u.U. das Material einer Fernschule ihres Heimatlandes einsetzen.

12. Frühstudium an der Universität
Jugendliche können als Gast an einzelnen Vorlesungen und Übungen der Universität teilnehmen. Sie können dafür vom Unterricht ihrer Schule befreit werden. Erworbene Scheine können für ein späteres Studium anerkannt werden, Einzelheiten müssen mit der jeweiligen Universität geklärt werden. Jugendliche können sich auch ohne Abitur und z.T. ohne Altersbegrenzung nach unten an einer Fernuniversität einschreiben.

Auszug (leicht verändert) aus: Heinbokel, Annette (2009). Handbuch Akzeleration, LIT Verlag, Münster, S. 22-24


Diese Seite drucken   PDF erzeugen

Tagungen und Vorträge


22nd World Conference on Gifted and Talented Children (WCGTC)
"Global Perspectives in Gifted Education"

20-23 July 2017
Sydney, Australia

http://www.worldgifted2017.com

16th ECHA Conference 2018
Working with Gifted Students in the 21st Century
8-11 August 2018
Croke Park
Dublin
Ireland
www.echa2018.info

Carla und Tim sind hochbegabt - was nun?
Eintägiger Kurs an der VHS Bremen
25. März 2017

University of the 3rd Age-  u3a
Lecture
Gifted Children - from Ealing to Germany
18th May 2917
London - Ealing
http://u3asites.org.uk/ealing